Memory Foam ist viskoelastischer Polyurethanschaum, also ein Kunststoffschaum auf Erdölbasis, entwickelt in den 1960er Jahren in der Luft- und Raumfahrtforschung. Er reagiert auf Wärme und Druck: Unter Körperwärme wird er weicher und passt sich der Form an. Stärken sind Formstabilität und Druckverteilung, Schwächen Wärmestau und fehlende Waschbarkeit.

Memory Foam ist das am häufigsten verwendete Material für ergonomische Kopfkissen – und eines der am häufigsten missverstandenen. Es „merkt" sich nichts, es ist keine Hightech-Erfindung von gestern, und es ist nicht für jeden geeignet.
Hier steht, was es wirklich ist, woher es kommt, was es kann und was nicht.
- Memory Foam ist viskoelastischer Polyurethanschaum – ein Kunststoffschaum auf Erdölbasis.
- Er reagiert auf Wärme und Druck: Unter Körperwärme wird er weicher und passt sich der Form an.
- Stärken: Formstabilität, gleichmäßige Druckverteilung, Haltbarkeit bei gutem Raumgewicht.
- Schwächen: speichert Wärme, wird bei Kälte fest, riecht am Anfang, nicht waschbar.
- Entwickelt wurde das Material in den 1960er Jahren in der Luft- und Raumfahrtforschung.
Was es ist
Memory Foam heißt fachlich viskoelastischer Polyurethanschaum, oft auch Viskoschaum oder Visko-Elastik-Schaum. Es ist ein Kunststoffschaum, hergestellt auf Basis von Erdölderivaten – chemisch verwandt mit normalem Polsterschaum, aber mit Zusätzen, die sein Verformungsverhalten verändern.
Der Begriff „viskoelastisch" beschreibt genau das: Das Material verhält sich teils wie ein elastischer Körper (es federt zurück) und teils wie eine zähe Flüssigkeit (es fließt langsam unter Last). Daher die typische verzögerte Rückstellung, die man als „Gedächtnis" wahrnimmt.
Zu „Bio" oder „natürlich": Es gibt Schäume, bei denen ein Teil der Rohstoffe pflanzlich ersetzt wurde. Der Schaum bleibt aber ein Kunststoff. Eine Zertifizierung wie CertiPUR-US® sagt übrigens etwas über Schadstoffe und Emissionen aus, nicht über die Herkunft der Rohstoffe. Siehe CertiPUR und OEKO-TEX.
Wie es funktioniert
Zwei Faktoren zusammen:
Wärme. Der Schaum wird weicher, wenn er sich erwärmt. Dort, wo dein Kopf aufliegt, ist er am wärmsten – dort gibt er am meisten nach. An den Rändern bleibt er fester. Dadurch entsteht die Mulde, die genau zu deiner Kopfform passt.
Druck. Statt punktuell nachzugeben wie eine Feder, verteilt der Schaum die Last über eine größere Fläche. Das reduziert Druckspitzen – der sachliche Grund dafür, dass sich Memory Foam „weich" anfühlt, obwohl es relativ fest sein kann.
Die Kombination erzeugt den charakteristischen Eindruck: Man liegt nicht auf dem Kissen, sondern leicht darin – und wenn man den Kopf hebt, bleibt für einige Sekunden eine Mulde sichtbar. Das ist das Normalverhalten und kein Qualitätsmerkmal; auch sehr billige Schäume tun das.
Woher es kommt
Das Material wurde in den 1960er Jahren im Umfeld der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtforschung entwickelt – ursprünglich für die Polsterung von Sitzen, um Druck gleichmäßiger zu verteilen. Diese Herkunft wird gern als Qualitätsargument verwendet.
Ehrlich gesagt sagt sie über ein heutiges Kissen nichts. Der Schaum ist seit Jahrzehnten ein Massenprodukt, es gibt ihn in jeder Qualitätsstufe, und die Entwicklungsgeschichte garantiert keine Eigenschaft. Was dir etwas garantiert, ist das Raumgewicht – siehe Raumgewicht bei Memory Foam.
Was es gut kann
Vier Nachteile
Die gehören dazu, auch wenn wir selbst Schaumkissen verkaufen:
1. Es speichert Wärme. Geschlossener Schaum leitet Wärme schlecht ab. Wer nachts am Kopf schnell warm wird, empfindet Memory Foam oft als zu warm. Dagegen helfen Lüftungskanäle, offenzellige Schäume und kühle Bezüge – aber die Grundtendenz bleibt. Siehe Belüftung und Hitzestau.
2. Es wird bei Kälte fest. Die Temperaturabhängigkeit ist die Eigenschaft, auf der die Anpassung beruht – man kann sie nicht wegkonstruieren. Im kalten Schlafzimmer braucht der Schaum Minuten, bis er nachgibt. Siehe Memory Foam bei Kälte.
3. Es riecht am Anfang. Frisch ausgepackte Schäume geben einige Tage einen typischen Neugeruch ab. Das verflüchtigt sich mit Lüften. Siehe Eingewöhnung, Geruch und Pflege.
4. Der Kern ist nicht waschbar. Schaum saugt sich voll und trocknet innen kaum. Nur der Bezug darf in die Maschine. Wer ein komplett waschbares Kissen braucht, ist mit einer Faserfüllung besser beraten.
Teste die Qualität eines Schaumkerns mit dem Daumentest: Drücke mit dem Daumen kräftig eine Delle hinein und zähle, wie lange sie braucht, bis sie vollständig verschwunden ist. Guter Viskoschaum braucht typischerweise einige Sekunden und kommt dann komplett zurück. Ein Schaum, der sofort zurückschnappt, ist eher Kaltschaum als Viskoschaum. Einer, der nach einer Minute noch eine Delle zeigt, hat an der Stelle schon Struktur verloren.

Der Kern des 4D Kopfkissens ist CertiPUR-US®-zertifiziert und lässt sich über den Reißverschluss herausnehmen – du kannst den Daumentest also selbst machen. Dazu ein Lüftungskanal gegen Wärmestau.
Zum 4D Kopfkissen
Häufige Fragen
Woraus besteht Memory Foam?
Aus viskoelastischem Polyurethanschaum, also einem Kunststoffschaum auf Basis von Erdölderivaten mit Zusätzen, die das Verformungsverhalten verändern. Varianten mit teilweise pflanzlichen Rohstoffen gibt es; der Schaum bleibt trotzdem ein Kunststoff.
Ist Memory Foam gesundheitsschädlich?
Zertifizierte Schäume unterliegen definierten Grenzwerten für flüchtige Verbindungen und Schadstoffe – CertiPUR-US® ist das geläufige Prüfzeichen dafür. Der typische Neugeruch der ersten Tage ist üblich und verflüchtigt sich beim Lüften. Wer empfindlich ist, lüftet das Kissen vor der ersten Nutzung einige Tage.
Wie unterscheidet sich Memory Foam von Kaltschaum?
Kaltschaum ist elastisch und federt direkt zurück, Memory Foam fließt langsam und bleibt kurz in Form. Kaltschaum ist weitgehend temperaturunabhängig und luftiger, Memory Foam passt sich präziser an. Der Vergleich steht unter Kaltschaum, Viskoschaum, Gelschaum.
Wie lange hält ein Memory-Foam-Kissen?
Bei solidem Raumgewicht drei bis fünf Jahre, oft länger. Bei sehr leichtem Schaum kann die Stützkraft schon nach rund einem Jahr deutlich nachlassen. Die Kennzahl dafür ist das Raumgewicht, nicht der Preis.
Kann ich ein Memory-Foam-Kissen waschen?
Den Kern nicht. Er saugt sich voll und trocknet innen kaum. Nur der Bezug darf in die Maschine, nach Pflegeetikett. Bei Flecken den Kern feucht abtupfen und vollständig an der Luft trocknen lassen.
Weiterlesen: Raumgewicht bei Memory Foam · Memory Foam, Latex oder Daunen · Orthopädisches Kopfkissen: der große Ratgeber

Maximilian Schulze · Experte für Schlaf & Ergonomie
Maximilian gehört zum fitkissen®-Team und beschäftigt sich täglich mit Schlafkomfort und Ergonomie. Im Schlaf-Ratgeber beantwortet er die Fragen, die uns im Kundenservice jeden Tag erreichen.
Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026. fitkissen® ist selbst Anbieter von Kissen mit Memory-Foam-Kern – die Nachteile sind deshalb bewusst ausführlich benannt.